Aus den Fachgruppen

71. Verbandstag der Niedersächsischen Zimmermeister in Melle

Ein Mix aus vielschichtigem Vortragsprogramm und Netzwerken

Wie kann ich mit KI meinen Arbeitswert besser verkaufen? Welche Werkzeuge gibt es? Und warum ist die baupolitische Lobbyarbeit so wichtig? Diese und andere Themen wurden rege in Melle diskutiert.

Am 11. und 12. September fand erstmals in Melle – im Hotel Van der Valk – der Verbandstag von Holzbau Deutschland – Verband Niedersächsischer Zimmermeister (VNZ) im Baugewerbe-Verband Niedersachsen (BVN) statt. Auch in diesem Jahr bot er eine Menge Informatives für das Zimmererhandwerk und die Holzbaubranche.  

Eröffnet wurde der 71. Verbandstag von dem im Frühjahr frisch gewählten VNZ-Vorsitzenden Andreas Meyer. Meyer begrüßte die mehr als 100 anwesenden Teilnehmer, Referenten und Aussteller persönlich und stellte den Zuhörern auch den neuen – 18 Quadratmeter großen – Holzbau-Showroom vor, der im Außenbereich des Hotels besichtigt werden konnte. Dieser soll Verbrauchern zukünftig Holzbaukonstruktionen erklären. Auch bedankte sich Meyer nochmals beim vorherigen VNZ-Vorsitzenden Karl Hoffmeister: „Vor rund zwanzig Wochen habe ich den Staffelstab des 1. Vorsitzenden im VNZ nach gut 18 Jahren exzellenter Führung von Karl Hoffmeister übernommen. Für mich persönlich ist dieser Verbandstag daher ein besonderer Moment.“

Chancen und Risiken von Holzfassaden in der Gebäudeklasse 4+5

Als erster Referent betrat Holzsachverständiger Thomas Wilper die Bühne. Er sprach darüber, welche Chancen und Risiken Holzfassaden in der Gebäudeklasse 4+5 haben. So stellte Wilper die Fragen, ob solche Gebäude überhaupt mit Holz gebaut werden können und ob dieses zusätzlich begrünt werden dürfen? „Die Antwort ist, ja es ist möglich, es funktioniert."

Allerdings müsse man sich als ausführender Zimmerer aller Regeln und Risken bewusst sein. „Wichtig ist, informieren Sie sich über die Regeln und vor allem auch über die Datenblätter der verwendeten Produkte“, sagte Wilper und verwies neben der Fachregel 01 (die nicht mehr ausreichend ist) auf die DIN 18516, die im Oktober 2024 neu veröffentlicht wurde. Auch die Musterholzbaurichtlinie (MHolzBauRL), die sich mit belüftete Fassadenkonstruktionen beschäftigt, sollte studiert werden.

Wilpers Fazit: „Wir (Zimmereibetriebe) müssen lernen mit neuen Wegen zu arbeiten", man solle das nicht anderen Gewerken überlassen. Bei Fragen zu diesem Thema stellt der VNZ interessierten Mitgliedern gerne den Kontakt zu Thomas Wilper her.

Eigene Spitzenleistungen besser verkaufen

Als Nächstes folgte der Vortrag von Thorsten Moortz. Der Handwerks-Influencer von handwerk.live machte sich eine Frage zum Vortragsmittelpunkt: „Wie kriegen wir es hin, dass wir unsere Spitzenleistungen so aufbereiten, dass uns interessierte Kunden darauf ansprechen? Und wie schaffen wir es, dass jemand dann auch den Wert dieser Spitzenleistungen erkennt?“. Moortz erwähnte in diesem Zusammenhang, dass Leistungen auch „Geld kosten“ dürfen und müssen und wie man es mit KI schaffe, diese Leistungen zum Kunden zu transportieren.

Handwerk-Influencer Thorsten Moortz ist während seines Vor­trags in reger Diskussion mit den Teilneh­mern. Foto: BVN

Die Lösung scheint einfach, man müsse seine Leistungen und Lösungen kommunizieren, auch – und vor allem – im Internet. Auch hier kann KI helfen, schnell Expertise zu transportieren und aus all den Erfahrungen leserfreundliche Berichte, Exposees und ansehnliche Präsentationen zu erstellen. Denn: Wer heute nicht mit Quellen im Internet vertreten ist, wird von der KI nicht mehr gefunden.

Ein ausgetüfteltes SEO (Suchmaschinenoptimierung) brauche es dafür aber nicht mehr, die KI mache alles alleine einfach möglich. Sie helfe „das wir in der Lage sind, in Zukunft unsere Leistungen zu einem Produkt zu machen". Ganz wichtig ist Moortz bei der Verkaufsstrategie dann aber auch das Vertrauen. „Seid transparent!“ So sollen die Zimmerer auch ihre Beratungsleistungen im Angebot angeben, ggf. auch mit null Euro, aber es müsse klar sein, dass auch die Beratung irgendwo verrechnet wird.

Abwechslungsreiches Rahmenprogramm und geselliger Abend

Nachdem Thorsten Moortz seinen Vortrag beendet hatte, ging der VNZ-Verbandstag in den geselligen Teil über. Die Teilnehmer hatten so die Möglichkeit, das Automuseum Melle zu besichtigen oder an einem Cocktail-Workshop teilzunehmen. Im Anschluss folgte der Begrüßungsabend, der bei gutem Essen und Getränken zum Austausch und Netzwerken genutzt wurde.

Zweiter Tag startete mit PV-Pflicht und NBauO

Nach einer kurzen Begrüßung von Andreas Meyer startete Michael Driesner vom BVN in den zweiten Tag und beschäftigte sich mit gängigen Regeln und Normen. „Aktuell befinden wir uns in einem Paradigmenwechsel, da die Regelungen in den Markt verlegt werden und damit Verfahrensfreiheit geschaffen wird“. Aber was bedeutet das? Dies versuchte Driesner den Teilnehmern an Hand der PV-Pflicht zu erklären. So wandele sich diese auf Grund der aktuellen Probleme am Markt vom „Pull- zum Push-Prinzip“. Damit genug Anlagen gebaut werden, wurde eine „Pflicht“ geschaffen. Und hier müsse man sich als ausführender Handwerker gut auskennen, um Kunden vernünftig zu beraten. Denn es gäbe auch eine Reihe Gründe, warum diese Pflicht spezifisch eben nicht greife. Doch: "Die Pflicht liegt generell bei den Bauherren". Zimmerer seien nur zuständig, dass sie die bestmögliche Anlage bauen. Dennoch sei die Hinweispflicht des Handwerkes nicht außer Acht zu lassen. Driesner ging ebenfalls auf Probleme bei den Genehmigungsverfahren ein und auf die Möglichkeit der Kooperation mit anderen Verbänden – bspw. Elektriker, Dachdecker oder Metaller“, um den „Wildwuchs“ einzudämmen und Musterverträge oder Arbeitsanweisungen anzugleichen.

Wir können Wasser nicht aufhalten – oft sind wir zu spät

Im Anschluss folgte ein weiterer technischer Vortrag. So referierte Bausachverständiger Karl-Heinz Weinisch vom Institut für Qualitätsmanagement und Umfeldhygiene über den „Umgang mit Feuchteschäden“. Er sensibilisierte auf anschauliche Weise für das Problem mit dem Wasser und wie einfach es sei, vorzubeugen oder richtig gewappnet zu sein. So könne man sich an einfache Schritte in der Feuchteprävention halten: 1. Bauvertrag mit Wetterschutz, 2. Planung Feuchteschutz, 3. Baustellen Feuchtekontrolle. „Handwerker müssen wissen“, wie man den Feuchteschutz plant und „wer haftet!“.

Tritt der Feuchtschaden ein, gäbe es ebenfalls ein strukturiertes Vorgehen: 1. Bestandsaufnahme & Problemlösung, 2. Normen und Richtlinien, 3. Versicherungsschutz (Weinischs Tipp: „Machen Sie nichts, bevor es nicht von der Versicherung freigegeben ist.“), 4. Trocknung & Feuchtemonitoring, 5. Freimessung. Wichtig sei auch hier, gut informiert zu sein, so sind die VOB Teil C - ATV DIN 18299 und auch diverse Merkblätter eine wertvolle Basisinformation.

Weinisch gab auch Vorschläge für empfohlene Geräte, die sinnvoll in der Anschaffung seien und zeigte an Hand von Bildmaterial, was eigentlich passiere, wenn am Ende das Wasser auf der Baustelle steht.

Lobbyarbeit ist hauptsächlich Verhinderungsarbeit

Nach der Mittagspause widmete sich RAin Cornelia Höltkemeier, Geschäftsführerin der – auch durch den Baugewerbe-Verband Niedersachsen getragenen – Landesvereinigung Bauwirtschaft Niedersachsen, der Verbandsarbeit und was baupolitische Lobbyarbeit bedeute. „Lobbyarbeit ist hauptsächlich Verhinderungssarbeit, darum merkt man nicht, was wir tun“, erklärte Höltkemeier und zeigte an Hand einiger ausgewählter Beispiele auf, was genau damit gemeint sei. Schwierig sei oftmals nur, dass die Verbände genau über die Arbeit gar nicht oder nur sehr vage sprechen dürfen. „Sie fragen sich dann zurecht, was aus den Mitgliedsbeträgen eigentlich finanziert würde.“

„Verhinderungserfolge sind nicht sexy, aber von enormer Bedeutung", so die Rechtsanwältin. Und damit diese erreicht werden können, ist Verschwiegenheit unumgänglich. „Wir müssen als seriöser Gesprächspartner in Hannover wahrgenommen werden, weil die Politik sonst nicht mit uns redet."

Der Zug, der fährt schon…

Als abschließender Referent betrat Bastian Strauß das Parkett und sprach über die „KI-Revolution“. Anschaulich erklärte er, wie schnell sich diese weiterentwickele. „Der Zug, der fährt schon, und wir können einfach nur noch aufspringen."

Strauß beschäftigte sich in seinem Vortrag mit generativer KI und stellte KI vor, die Handwerksbetriebe schnell und einfach für die Optimierung ihrer Büro- und Marketingarbeit nutzen können. So ging er auf die Nutzung von Chat GPT oder Mistral AI ein, zeigte, wie leicht man mit Suno eigene Musik produzieren könne, wie sich Bilder mit Nano Banana für Auftragsangebote „manipulieren“ ließen oder wie man KI wie Eleven Labs und Make.com sinnvoll nutzen könne. Mit wenig finanziellem Einsatz ließen sich hier schnell gute Ergebnisse erzielen. Wichtig sei nur, dass Anwender die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Blick behalten.

Nach zwei Tagen informativer Vorträge, reger Diskussionen und dem Austausch eigener Erfahrungen und Meinungen beendete Andreas Meyer den VNZ-Verbandstag. Meyer war zufrieden mit den Ergebnissen der Tagung und freut sich auf eine weitere Veranstaltung in 2026.

Der diesjährige VNZ-Verbandstag wurde unterstützt von:

BAMAKA AG, Dachdeckereinkauf Ost eG, DEX eG, Dietrich's Technology GmbH, GUTEX Holzfaserplattenwerk - H. Henselmann GmbH & Co. KG, ISOCELL GmbH & Co. KG, MKG Maschinen- und Kranbau GmbH, Moll bauökologische Produkte GmbH, Pavatex by Soprema, Enno Roggemann GmbH & Co. KG, Siga Cover GmbH Deutschland, SPAX International GmbH & Co. KG, STEICO SE, Velux Deutschland GmbH, Vente Holz GmbH und der VHV Versicherungen.

 

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