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Niedersächsischer Straßenbautag 2025 – Digitalisierung im Straßenbau: Praxis, Potenziale und Perspektiven

Unter dem Motto „Digitalisierung im Straßenbau: Praxis, Potenziale und Perspektiven“ trafen sich am 28. und 29. August 2025 rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Bauwirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie öffentliche Auftraggeber im Dormero Hotel Bergström in Lüneburg.

Der Niedersächsische Straßenbautag 2025 war nicht nur eine Plattform für intensiven Wissensaustausch, sondern setzte auch ein deutliches Zeichen für die Bedeutung der Digitalisierung sowie die Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Behörden, Planern und Bauunternehmen.

Eröffnung und Grußworte: Gemeinsame Ziele im Fokus

Karsten Wiebe, Präsident des Baugewerbe-Verbandes Niedersachsen, eröffnete die Veranstaltung und betonte die Digitalisierung als Schlüsselfaktor für die Zukunft des Straßenbaus. Jens-Peter Zuther, Landesfachgruppenleiter Straßen- und Tiefbau im BVN, und Stadtbaurätin Heike Gundermann (Hansestadt Lüneburg) unterstrichen in ihren Grußworten die Notwendigkeit, digitale Prozesse und Technologien entschlossen voranzutreiben, um Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu sichern.

Zuther zeigte sich erfreut über die Teilnahme von Grant Hendrik Tonne, Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen, das Ministerium leistete bereits zum dritten Mal einen Beitrag zum Straßenbautag. In den Vorjahren war Tonnes Amtsvorgänger, der jetzige Niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies, Gast der Veranstaltung.

Lüneburgs Stadtbaurätin Gundermann bezeichnete den Straßenbau als zentrales Element kommunaler Infrastruktur – als Lebensader für Versorgung, Begegnung und Mobilität.

Digitalisierung und Arbeitsschutz im Tiefbau

Volker Münch, Referatsleiter Tiefbau bei der BG BAU, eröffnete die Fachvorträge mit einem spannenden Einblick in die Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Arbeitsschutz. Anhand konkreter Beispiele zeigte er, wie digitale Tools die Sicherheit auf Baustellen verbessern können. Besonders eindringlich war sein Appell, digitale Lösungen konsequent in den Arbeitsschutz zu integrieren, um Unfälle zu vermeiden und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen.

Digital geplant, digital gebaut

Carsten Butenschön (Direktor, Niederlassung Nord) und Gesa Schütte (Leitung der Außenstelle Lüneburg) von der Autobahn GmbH des Bundes stellten das Leuchtturmprojekt A 39 vor. Sie zeigten, wie durch den Einsatz digitaler Planungstools und von Building Information Modeling (BIM) nicht nur Zeit und Kosten eingespart, sondern auch die Qualität der Bauwerke und die Zusammenarbeit aller Beteiligten signifikant verbessert wurden.

Prof. Dr. Franz Diemand von der Jade Hochschule machte in seinem Vortrag deutlich: Digitalisierung erfordert mehr als nur neue Tools – sie verlangt einen kulturellen Wandel. Alle Mitarbeitenden müssten einbezogen und unternehmensspezifische Anforderungen berücksichtigt werden. Mit einem Augenzwinkern zitierte er frei nach Friedrich Schiller: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob Software zur Schnittstelle findet.“

Cyberkriminalität: Eine unterschätzte Gefahr

Nikolaus Stapels (Nikolaus Stapels Consulting & Training) sensibilisierte die Teilnehmer für die zunehmenden Risiken der Cyberkriminalität im Bauwesen. In einem interaktiven Beitrag – trotz des ernsten Themas mit humorvollen Momenten – verdeutlichte er anhand realer Fälle die Anfälligkeit digitaler Systeme: von Datenklau bis hin zu gezielten Sabotageakten. Stapels gab praxisnahe Empfehlungen zur IT-Sicherheit und verwies auch auf den wachsenden Nutzen von Cyberversicherungen.

Digitalisierung im Tiefbau – Wo stehen wir wirklich?

Julian Blum von der VESTIGAS GmbH präsentierte das digitale Lieferscheinmanagement als effiziente Lösung zur Prozessoptimierung. Durch Automatisierung und Echtzeitdaten lassen sich Abläufe beschleunigen, Fehlerquellen minimieren und sogar die ökologische Bilanz verbessern. Digitale Lieferscheine seien, so Blum, ein essenzieller Baustein für Transparenz und Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft.

Philipp Ellsäßer vom Podcast Schweiß & Schwafel bot eine persönliche und pointierte Einschätzung zum Stand der Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Seine Diagnose: 65 Prozent der KMU hätten bislang kaum mit der Digitalisierung begonnen. Sein Appell: „Digitalisierung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir müssen dranbleiben und gemeinsam Lösungen entwickeln – machen Sie es einfach!“

Bauen trifft Algorithmus: Agentensysteme als Effizienztreiber

Keynote-Speaker Sascha Dömer von der LMIS AG eröffnete neue Perspektiven: Agentensysteme und Künstliche Intelligenz könnten nicht nur den Straßenbau, sondern die gesamte Bauwirtschaft revolutionieren. Diese Technologien ermöglichen die Simulation komplexer Prozesse, die frühzeitige Identifikation von Engpässen und die optimale Nutzung von Ressourcen. Dömer betonte: „Algorithmen steigern nicht nur die Effizienz – sie heben auch die Planungsqualität auf ein neues Niveau.“

Vertiefung und politische Impulse

Prof. Dipl.-Ing. Bernd Afflerbach, Präsident des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen e.V., eröffnete den zweiten Veranstaltungstag mit einem Plädoyer für Zusammenarbeit und kontinuierlichen Austausch.

Prof. Dr.-Ing. Michael Ehlers (Hochschule Osnabrück) erläuterte das Konzept der Single Source of Truth – eine zentrale Datenquelle für alle Projektbeteiligten. Durch konsistente Datenhaltung lassen sich Fehler vermeiden und die Kooperation zwischen Verwaltung, Planung und Ausführung deutlich verbessern. Ehlers: „Wer die Hoheit über seine Daten hat, hat die Hoheit über sein Projekt.“

Minister Grant Hendrik Tonne brachte auf den Niedersächsischen Straßenbautag 2025 seine Ansicht zum Ausdruck, dass die künftigen Aufgaben nur gemeinsam gelöst werden könnten. Foto Copyright: Jan-Rasmus Lippels

Zukunft des Straßenbaus: Strategien und Investitionen

Ein inhaltlicher Höhepunkt war der Vortrag von Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne. Er stellte die strategischen Ziele des Landes Niedersachsen vor und betonte die Digitalisierung als Schlüssel zur Modernisierung der Infrastruktur. Er unterstrich die wirtschaftliche Bedeutung des Straßennetzes:

„Wir haben rund 14.000 km Autobahnen und Landesstraßen – auf ihnen werden über 70 Prozent der Wirtschaftsverkehrsleistung und etwa 80 Prozent der Personenverkehrsleistung in Niedersachsen erbracht.“ Tonne informierte über die zur Verfügung stehenden Mittel: Niedersachsen erhält 9,4 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen, weitere 5 Milliarden bringt das Land selbst ein – insgesamt stehen damit 14,5 Milliarden Euro bereit. Ein besonderes Augenmerk galt dem Masterplan Brücken: „Wir haben 700 Brücken im Bundesstraßennetz und 2.100 im Landesstraßennetz. Zwei Drittel davon stammen aus den 1950er Jahren und müssen heutigen Lasten angepasst werden. 150 Bauwerke wurden bereits zur Erneuerung identifiziert.“ Er appellierte an alle Beteiligten, den Schulterschluss zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft weiter zu stärken: „Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern.“

Mobile Mapping und BIM in der Straßenbauverwaltung

Eric Skrzeczek (STRABAG AG) präsentierte anschaulich den Einsatz von Mobile Mapping im Straßenbau. Diese Technologie ermöglicht die präzise und schnelle Erfassung von Infrastrukturobjekten und liefert die Grundlage für digitale Zwillinge und BIM-Modelle.

Jana Winkler und Miriam Krumm von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr erläuterten die Implementierung von BIM in der Verwaltung. Sie zeigten, wie digitale Methoden Planung, Bau und Betrieb effizienter gestalten und betonten die Notwendigkeit, Standards zu etablieren und alle Akteure frühzeitig einzubinden.

Standardisierung im Brückenbau

Philip Overbeck (Autobahn GmbH des Bundes) stellte die Entwicklung von Standardentwürfen für 2-Feld-Spannbetonbrücken vor. Diese standardisierten Bauweisen ermöglichen eine deutlich schnellere und wirtschaftlichere Umsetzung – ohne Abstriche bei Qualität oder Sicherheit. Overbeck warb für Vertrauen in die Praxisexpertise der Bauunternehmen und plädierte für funktionale Ausschreibungen: „Lasst die mal machen!“

Organisation und Ausklang

Durch das zweitägige Programm führte Dr. Martin Wilhelmi. Mit professioneller, engagierter und verständlicher Moderation förderte er aktiv den Dialog zwischen Vortragenden und Teilnehmenden. Seine Fähigkeit, komplexe Themen klar zu vermitteln, wurde vielfach gelobt. Der erste Tag klang mit einem gemeinsamen Get-Together und Grillbuffet aus – eine gute Gelegenheit für fachlichen Austausch in entspannter Atmosphäre.

Digitalisierung als gemeinsame Aufgabe

Der Niedersächsische Straßenbautag 2025 hat eindrucksvoll gezeigt: Die Digitalisierung im Straßenbau ist nicht länger eine Option – sie ist Voraussetzung für zukunftsfähige Infrastruktur. Niedersachsen ist auf einem guten Weg, doch es bleibt viel zu tun.

Zentrale Erfolgsfaktoren sind Zusammenarbeit, Offenheit für Veränderung und der gemeinsame Wille, Innovationen umzusetzen. Ein besonderer Dank gilt allen Referentinnen und Referenten, Ausstellern, Sponsoren und Teilnehmenden, die mit ihrem Engagement maßgeblich zum Erfolg der Tagung beigetragen haben.

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